Telefunken W795 Racking Projekt

Telefunken W795 Racking Projekt

 

Vor einigen Jahren hatte ich die Möglichkeit, ein recht seltenes Mischpultmodul zu erstehen: Der Hersteller Telefunken baute, vermutlich Anfang der 80er Jahre, Mischpulte die nicht mehr in Einzelmodule aufgeteilt waren, sondern in 4er Gruppen. Die in dieser Serie verbauten Equalizer waren die Typen W795, ein Dreibänder mit fixer Bass- und Höhenanhebung bzw. -absenkung und einem semiparametrischen Mittenband und dessen grösseren Bruder den W796 mit erweiterter Parametrik.

So präsentierte sich das Modul auf eBay, funktionsgarantie nicht gegeben. – Glück gehabt

Für einen Einbau in ein 19″ Rack haben diese Module einen Nachteil: Im Gegensatz zu den älteren Modellen, welche alle mit Ein-bzw Ausgangsübertrager ausgestattet sind, sind hier die vier Ein- bzw Ausgänge unsymmetrisch. Auch ist die Stromversorgung nicht mehr nur 24V wie beim Danner Kassetten Standard, sondern +/- 15V , also muss ein speziell dimensioniertes Netzteil eingebaut werden.

 

 

 

 

 

Recapping der Elektrolytkondensatoren ist ab einem gewissen Alter unumgänglich für die Funktionssicherheit…

Als erstes wurde das Modul mittels Labornetzteil und Oszilloskop durchgecheckt, glücklicherweise funktionierte es, bei Alten Modulen die ohne Funktionsgarantie verkauft werden keinesfalls selbstverständlich. Zusätzliches Problem bei Fehlfunktion ist in diesem Fall auch die teilweise vergossenen Platinen, ein oft gebrauchter Kopierschutz (siehe Fotos unten). Gut für den Hersteller, schlecht für den der nach 30 Jahren das Pech hat ein nicht funktionierendes Modul zu bekommen.

 

Anschliessend wurden die Elektrolytkondensatoren zur Spannungsversorgung auf allen Platinen getauscht, nach so langer Zeit eine Selbstverständlichkeit.

Kopierschutz anfang der 80er Jahre… Dies dürfte einer der Ersten Module mit teilweise SMD Bestückung sein (!)

 

Die komplette original Platine mit den 8Jensen Transformern.

Nach einiger Zeit des Suchens war dann auch eine Symmetrierung gefunden, sogar auch von Telefunken und sogar noch etwas älter. Jeweils vier Jensen Transformer für Ein- und Ausgänge, montiert auf einer riesigen Printplatte die zurechtgeschnitten wurde. Rückfrage bei Jensen ergab dass das Baujahr 1977 (daher die Modellbezeichnungen mit der 77 ) und der ursprüngliche Einsatz in Telefunken Bandmaschinen war, Gewicht der Platine: ca 1kg !

 

Jensen 771 Input und 772 Output Transformer lt. Auskunft von Jensen besagt die 77 das Baujahr.

 

Damit sich auch das Auge erfreut, wurde ein Frontplattendesign mit einem alten Telefunken Logo entworfen und die Front entsprechend laserbeschriftet.

 

Bei einem so aufwändigen Projekt verdient auch die Frontplatte ein hübsches Design…

Nachdem sich das Auslöten der XLR Stecker als sehr aufwändig erwies, und die Platine seitlcih bereits mit Pfostensteckern ausgerüstet war wurde sie einfach in der Mitte vorsichtig durchgetrennt und die Aluminiumbrücken der Stecker entsprechend durchgesägt.

Ein Präzisionsnetzteil von Thomas Funk http://www.funk-tonstudiotechnik.de/  wurde bestellt, eine einfache Lochplatine zur Verteilung der Stromversorgung und der Audiosignale gebaut, und das ganze dann in ein 19″ 2HE Gehäuse eingebaut.

 

Das Gehäuse fertig für den Einbau …

 

..und erster Probelauf, deutlich zu sehen die kompakte Bauform des 4kanal Moduls mit den Telefunken charakteristischen Wahlrädern für Frequenz bzw Anhebung/Absenkung des Mittenbandes.

 

Der fertige Umbau von Innen gesehen, links oben das Netzteil von Thomas Funk

 

Der gesamte Umbau nahm ca.30 Stunden in Anspruch, allerdings zog sich durch Bauteilsuche und andere Projekte der Umbau über ein Jahr hin. Ausprobiert haben wir sie natürlich auch schon, der erste Einsatz ist nun beim Mix des Debutalbums der Band Yakata.

 

 

Klaus

k.gstettner@consequentaudio.com

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